Das perfekte Restaurant… was du über den Betrieb für dein Produktteam lernen kannst!

Geschrieben von Johannes Born

04.11.2022

In meinem letzten Urlaub konnte ich etwas sehr Interessantes beobachten: Die Umsetzung der wichtigsten Prinzipien großartiger Produktteams. Und das in einem kleinen Restaurant. Ich konnte mit eigenen Augen beobachten, wie dieses kleine Restaurant mit großem Erfolg all die Themen umgesetzt hat, die meiner Erfahrung nach auch den Betrieb für dein Produktteam nachhaltig verbessern kann, was dir wiederum all die Freiheiten für die Weiterentwicklung deines Produktes gibt. Doch lass uns am Anfang starten.

Ich war mit meiner Familie in Urlaub in Lissabon. An einem Abend wollten wir portugiesisch essen, hatten aber keinen Plan, wo wir hingehen sollten. Ich habe schnell auf Google Maps nachgeschaut, wo es gute portugiesische Restaurants gibt. Direkt um die Ecke gabe es ein sehr gut bewertetes Restaurant. Also machten wir uns auf den Weg. Und dann kam die erste Überraschung. Da war ein Restaurant. Aber nicht das Restaurant, was wir gesucht haben. Es hieß anders. Wir waren verwirrt, haben noch einmal auf Maps nachgeschaut, aber Google sagte uns, dass wir am richtigen Ort seien. Wir sind also näher herangegangen. Und dann sahen wir es. Ein Schild an einer geschlossenen Tür zu einem Hinterhof. Wir hatten es gefunden. Doch wie sollten wir dahin kommen?

Beherzt drückte ich gegen die Tür. Sie ging auf. Wir gingen durch einen dunklen Durchgang und da war es, das Restaurant direkt im Innenhof. Es war noch früh, sodass das Restaurant fast leer war. Dennoch vertrauten wir der guten Bewertung und setzten uns. Dann kam der Kellner, der sich als Besitzer herausstellte. Er erklärte uns das Konzept.

Das Konzept des Restaurants

Es gibt genau ein Menü mit 13 verschiedenen Tapas. Am Ende gibt es 6 verschiedene Desserts. Und das zum Festpreis von ca. 20 € pro Person.
Als Kunde darf man nicht wählen. Man bekommt einfach alles nacheinander gebracht. Das Konzept ist, dass der Kunde die Möglichkeit hat, jedes Gericht einmal auszuprobieren. Wenn uns etwas gut schmeckt, können wir es so viel wie möglich nachbestellen, wenn es uns nicht schmeckt, lassen wir es stehen. Also, typisch All-you-can-eat!

Wir ließen uns darauf ein und aßen tapfer die verschiedenen Tapas. Sie schmeckten großartig. Manche mochte wir nicht, aber durch die kleinen Portionsgrößen war der Verschnitt sehr gering. Eliminate Waste haben sie also verstanden.

Jetzt denkst du dir wahrscheinlich: Schöne Geschichte, aber was habe ich davon, dass du gut essen warst?

Der professionelle Betrieb hat mich umgehauen

Ich habe mir die Zeit genommen und habe mir den Betrieb einmal ganz genau angeschaut. Was ich zu sehen bekam war Betrieb in Perfektion!

Durch das eine Menü war die Produktion ein Kinderspiel. Es gab genau ein Ereignis für die Küche: Ein Kunde ist eingetroffen. Die Portionsgrößen sind standardisiert. Eine Frau, die allein aß, bekam die gleiche Menge wie wir drei und wir bekamen wiederum die gleiche Menge wie eine Gruppe aus 6 Personen neben uns. Die Anzahl der Gruppenmitglieder war nur für drei Tapas relevant.

Die Küche hat streng nach Plan die einzelnen Menüs abgearbeitet. Sie hatten einen Kanban-Prozess, der ihre Arbeit perfekt strukturierte. Die Kellner wussten immer genau, welcher Tisch welche Tapas bekommt. So gab es eine definierte Schnittstelle zwischen Küche und Bedienung, es war kaum Kommunikation notwendig und das System funktionierte lief wie eine Eins.

Nach einer Stunde waren alle Plätze im Restaurant belegt, das System arbeitete dennoch zügig und man musste nie auf die nächste Portion warten, da man immer noch mit der vorherigen beschäftigt war.

Und dann kamen die Störungen…

An diesem Abend ist im Restaurant zweimal der Strom komplett ausgefallen. Einmal nur kurz, einmal für mehrere Minuten. Hat das das System beeinflusst?

Zu meiner Überraschung lief alles normal weiter: In der Küche gingen die Smartphone-Taschenlampen an, die Bedienung ist im Dunkeln durchs Restaurant gelaufen. Einer hat sich darum gekümmert, den Strom wiederherzustellen, der Rest hat den Betrieb am Laufen gehalten. Was ich da beobachten durfte, war Störungsmanagement in Perfektion.

Doch was kannst du davon für dein Thema „Betrieb für dein Produktteam“ mitnehmen?

Drei Dinge sind mir besonders wichtig. Für mich sind es die Grundpraktiken für den Betrieb für dein Produktteam:

  1. Standardisierung der Arbeitsabläufe stabilisiert dein System. Ungeplante Aufgaben kommen dann nur noch selten vor. Dein Team arbeitet produktiver und effektiver und hat dadurch Zeit für die wirklich relevanten Themen: Nutzen für euren Kunden stiften.
  2. Im Störungsfall benötigst du klare Drehbücher, die deinem Team genau sagen, wie damit umzugehen ist. Dadurch vermeidest du Chaos, willkürliches Verhalten und Kommunikationspannen.
  3. Die strikte Reduzierung deines Angebots und deiner Eingangskanäle führt zu mehr Struktur und damit zu einer größeren Sicherheit im Betrieb, ohne den Kundennutzen negativ zu beeinflussen.

Wenn du mehr über das Thema Betrieb in Produktteams lernen möchtest, schau dir gerne meine Themenseite Betrieb für Produktteams an.

Fazit

Wenn du diese drei Punkte beherzigst, wird der nächste Beobachter, der dein Team beobachtet vielleicht auch so eine schöne Geschichte über dein Team berichten. Was aber viel wichtiger ist: Auf jeden Fall bekommst du durch diese drei Maßnahmen mit einfachsten Mitteln ein Vorgehen, mit dem du euer alltägliches Chaos in den Griff bekommst und dadurch das Vertrauen deiner Kunden durch eine gesteigerte Zuverlässigkeit und Klarheit deutlich verbessert. Und Zuverlässigkeit ist die wichtigste Eigenschaft, die dein Team von anderen unterscheiden kann. Das kleine Restaurant hat uns gezeigt, die du den Betrieb für dein Produktteam perfekt strukturieren und damit dein Team erfolgreich machen kannst.

Noch ein letzter Tipp:

Falls du gerne das beschriebene Restaurant besuchen möchtest:

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